Déjà-vu

Neulich, auf der Suche nach einem Bus in Richtung meiner neuen Unterkunft, hatte ich ein Déjà-vu-Erlebnis. Auf die Frage, in welche Richtung er fahre, erhielt ich vom Fahrer des erstbesten Busses, der neben mir hielt, eine Antwort, die in meinen Ohren in etwa so klang: “Younehgghguhghgsghdfejnkhredfhuhdkljepsfhgddnwle, love!”

Na, das erinnerte mich doch stark an die Zeit vor acht Jahren, als ich versuchte in England Fuß zu fassen; zuerst in London und dann in dem pittoresken Marktstädtchen Bury St. Edmunds in Suffolk. Vieles was ich damals hörte hatte nichts mit dem Englisch zu tun, das sie uns in der Schule beizubringen versucht hatten… Ich fuhr viel Bus in dieser Zeit und gewöhnte mich bald daran, von Busfahrern ‚Love‘ oder ‚Sweetheart‘ genannt zu werden (deutsche Busfahrer machen das nicht, was irgendwie schade ist – es hat einen sehr altmodischen Charme, ist aber wohl, genau genommen, nicht sehr PC), oder dem Busfahrer (sehr, sehr selten der Busfahrerin) beim Aussteigen zu danken (das wird in Deutschland auch nicht gemacht, aber das hat wohl mehr damit zu tun, dass wir so viele Gelenkbusse haben. Es macht sich einfach nicht so gut, beim Aussteigen von hinten durch den ganzen Bus „Vieken Dank!“ nach vorne zum Fahrer zu brüllen…).

Wie dem auch sei, in den letzten acht Jahren wurde ich mit vielen verschiedenen Dialekten und Akzenten konfrontiert – einige leichter verständlich als andere. Doch diese Dialekte auch sprechen zu können, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Seltsamerweise war ich nie in der Lage, das lokale Idiom in Bury St. Edmunds zu meistern, obwohl ich dort fünf Jahre lang gewohnt habe und der Dialekt, der in Suffolk gesprochen wird, eigentlich sehr charakteristisch ist. Als Nicht-Muttersprachlerin imitiere ich sowieso nur, was ich höre, und es sollte deshalb keinen Unterschied machen, ob es Hochsprache oder etwas anderes ist. Eine Weile lang habe ich versucht, mir einen schottischen Akzent anzueignen, einfach nur weil ich den Klang mag. Ich versuchte stundenlang, ‚Carphone Warehouse‘ auf schottisch auszusprechen (fragt nicht – ich dachte einfach, das sei ein guter Name zum Üben). Ich kann’s immer noch nicht. Einmal, auf einer Dienstreise, versuchte mein damaliger Chef, ein Schriftsteller und Schauspieler, mir ein paar der Tricks beizubringen, mit denen Schauspieler Akzente und Dialekte üben. Ich war ein ziemlich hoffnungsloser Fall.

Aber nach acht Jahren verstehe ich wenigstens die meisten Varianten des Englischen – wenn ich sie auch nicht alle sprechen kann – deshalb war diese Situation ziemlich unerwartet. Sie brachte mich jedoch auch zum lächeln, zeigte sie doch nur, dass es immer und überall Neues zu entdecken gibt und für den größten Teil dieses Jahres wird dies der Südwesten Englands sein – ich kann’s kaum erwarten!

P.S.: Ich bin in den Bus eingestiegen, obwohl mir immer noch nicht klar war, wo er eigentlich hinfuhr. Ich bin genau dort angelangt, wo ich hinwollte.

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